6 Tage Paris - 96 km, 10 Rollen Film und pure Entspannung

Im April war ich wieder 6 Tage in Paris – und am Ende hatte ich 96 km in den Beinen, 10 Rollen Film belichtet und das Gefühl, lange nicht mehr so entspannt gewesen zu sein.

Im April war ich wieder 6 Tage in Paris – und am Ende hatte ich 96 km in den Beinen, 10 Rollen Film belichtet und das Gefühl, lange nicht mehr so entspannt gewesen zu sein.

Seitdem ich neben der Leica M6 auch eine digitale M habe, hat die M6 hauptsächlich im Schrank gestanden. Ein Grund ist, dass ich öfter Probleme hatte, den Film richtig einzulegen. Irgendwann habe ich mich mitten in einer Session gewundert, warum sich das Rückspulrad nicht dreht – und Bilder verloren. Frustrierend. Aber da viele Leute damit kein Problem haben, ist es ganz klar ein Nutzerfehler. Trotzdem wollte ich bei diesem Trip den Fokus auf analoge Fotografie legen – zumindest, wenn das mit den Filmen so klappt. In meinem Kühlschrank liegen noch viele Rollen, und besser werden die mit der Zeit auch nicht. Also stand der Plan: Fokus auf die M6.

Eingepackt wurden 9 Rollen Portra 400, 3 Rollen Portra 800 und „just in case" noch 2 Rollen Cinestill 800. Sicherheitshalber kam auch die M11 mit. An Linsen das Leica 28mm 2.8 Elmarit, das Voigtländer 35mm 1.5 Nokton und das Leica 50mm 1.4 Summilux. Viel Equipment – und wie sich am Ende rausgestellt hat, viel zu viel. Ich habe die komplette Reise nur mit der M6 und dem 50mm Summilux fotografiert.

Und übrigens: Mit dem Film einlegen hatte ich diesmal kein einziges Problem. Ich bin einfach dem ganz simplen Prinzip gefolgt, das Leica sich beim Bau der M6 wohl gedacht hat – Film rein, Bodenplatte drauf, dem Schnelllade-Mechanismus vertrauen. Fertig. Kein Herumfummeln, kein zweimal Hinschauen. Hat jedes Mal funktioniert.

Zurückgekommen bin ich mit 8 vollen Rollen Portra 400 und 2 vollen Rollen Portra 800. Und ich muss sagen: Ich habe mich wieder in die M6 verliebt. Dieses haptische Gefühl zusammen mit dem Sound beim Betätigen des Spannhebels – das fällt mir schwer in Worte zu fassen. Es ist einfach ein gutes, befriedigendes Gefühl. Unbeschreiblich.

Dadurch, dass ich den ganzen Trip über keine Bilder anschauen konnte, hatte ich das Gefühl, viel mehr im Moment zu sein. Ich bin einfach den ganzen Tag durch die Stadt gestreift. Oft nur mit einer groben Richtung. An Kreuzungen habe ich entschieden, in welche Richtung es schöner aussieht. So kam es dann auch, dass ich nach den 6 Tagen in Paris 96 km zu Fuß zurückgelegt hatte. Dieses entspannte Streifen ohne Plan hat bei mir zu einem fast meditativen Gefühl gesorgt. Der Kopf konnte sich komplett entspannen, all die Gedanken und Probleme, die sonst so rumschwirren, waren weg. Und mir ist klar geworden: Das, was mir am wichtigsten ist, ist der Prozess des Fotografierens. Schöne Bilder sind dann nur noch die Kirsche on top.

Paris hat sich für mich zu einem Wohlfühlsort entwickelt. Eine Stadt, durch die ich einfach mit meiner Kamera laufen, den Tag genießen und die Welt vergessen kann.

Bevor ich noch auf ein paar der Bilder eingehe: Ein großes Lob an mein Labor OnFilm Lab in Frankfurt. Ich hatte zwar Express gebucht, aber nach nicht mal 6 Stunden waren meine Filme entwickelt und gescannt. Vielen Dank dafür!

Palais Royal

Ein sehr beliebter Touristenspot – und für mich auch ein beliebter Spot für Streetphotos – ist das Palais Royal. Zur Mittagszeit bin ich mal wieder durch die Anlage geschlendert. Viele Pariser holen sich in ihrer Mittagspause irgendwo etwas zu Essen und gehen damit in den nächsten Park. Diese Gruppe hat sich das Palais Royal ausgesucht und die Säulen in Stehtischhöhe kurzerhand zum Tisch umfunktioniert. Was mir noch ins Auge gefallen ist: der Mann in seinem breitbeinigen Powerstand. Auf welches Erdbeben und welchen Sturm er sich wohl vorbereitet?

Mittagspause am Palais Royal

An einem anderen Tag kam ich an einer Mutter mit ihrer Tochter vorbei, die eine der Säulen ebenfalls als Tisch nutzten – allerdings nicht zum Essen, sondern um ein Lego-Blumenset aufzubauen.

Lego-Blumenset am Palais Royal

Ein kleines Mädchen läuft alleine durch den Gang. Irgendwie musste ich direkt an die berühmte Szene aus Schindlers Liste denken – das Mädchen mit dem roten Mantel, einsam zwischen den Erwachsenen. Auch wenn sie hier weder rot trägt noch denselben Hintergrund hat. Mädchen im Palais Royal

Straßen von Paris

Wer schon einmal in Paris war, weiß: Paris hat unendlich viele schöne Straßen. Hier haben mir besonders der Lichteinfall, die Anordnung der Häuser, das prominent geparkte Auto und die Frau, die gerade dabei ist, die Fenster zu putzen, gefallen.

Pariser Straße mit Fensterputzerin

Bei diesem Bild muss man sich schon fast fragen: Ist es noch ein Haus oder eher ein Baum bzw. Strauch? Der Bewuchs und das Grün als Kontrast zur hellen Wand haben mich direkt angezogen. Dann kam dazu auch noch eine Person aus dem Laden heraus – das gibt dem Bild gleich noch etwas mehr Leben.

Hausfassade mit Bewuchs

Auch wieder eine der vielen schönen Gassen von Paris. Hohe, mehrstöckige Häuser, eng bebaut – und trotzdem immer wieder Bäume, die dazwischen wachsen. Und obwohl man hier mitten in Paris ist, gibt es Straßen, die komplett leer sind. Man hat seine Ruhe.

Leere Pariser Gasse

Ein Must-See sind natürlich der Montmartre und die Sacré-Cœur. Das Abendlicht hat sie in ein warmes Licht getaucht, das einen schönen Kontrast zum blau-weißen Himmel bildet.

Sacré-Cœur im Abendlicht

Bei diesem Bild fand ich es einfach schön, wie die schon tiefstehende Sonne Schatten auf die Hauswand und die Tür wirft.

Schatten auf Hauswand

Eine alte, hellblaue Ente steht an der Ampel. Alle anderen Autos sind grau, schwarz oder weiß. Das Hellblau fällt direkt auf. Zum einen passt es perfekt zur Farbe des Himmels, zum anderen steht es in einem schönen Kontrast zur Farbe der Häuser.

Hellblaue Ente an der Ampel

Leben genießen

Cafés gibt es in Paris wie Sand am Meer, und man sieht überall Einheimische, die dort sitzen, lesen, arbeiten oder einfach Freunde treffen. Hier ist mir der Mann mit seinem leuchtend roten Oberteil direkt aufgefallen – wie er entspannt mit einem Kaffee und einem Buch auf der Straße sitzt und das Leben genießt.

Mann mit rotem Oberteil im Café

Ein anderer sehr beliebter Ort ist natürlich das Ufer der Seine.

Ufer der Seine

Paris, die Stadt der Liebe. Natürlich sieht man auch überall Brautpaare, die die pittoreske Stadt für ihre Photoshootings nutzen und damit mehr oder weniger Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Brautpaar in Paris

Ähnlich wie die einzelnen Büsche, die aufrecht im Park stehen, sitzen auf den Bänken einzelne Personen.

Einzelne Personen auf Bänken

Es gibt viele Orte, an denen man sich hinlegen kann. Ob ich mich aber so auf eine Treppe legen würde … ich glaube nicht.

Person auf Treppe liegend

Wenn wir schon bei kuriosen Bildern sind: Warum nicht eine Gruppe riesiger Teddys in einem Caddy durch Paris fahren?

Riesige Teddys im Caddy

Neben unzähligen Cafés gibt es auch unzählige Restaurants. In diesem habe ich den Jungen gesehen, der „auf dem Fahrrad sitzt". Und die gemalten Figuren rechts daneben sehen interessanterweise ähnlich alt aus.

Junge auf Fahrrad im Restaurant

Dancing in Paris

Wie schon letztes Jahr wurde auch dieses Mal am Wochenende auf dem Vorplatz des Palais Royal Swing getanzt. Am Samstag mit Live-Band, am Sonntag über Lautsprecher. Tänzer wie Zuschauer hatten ihren Spaß.

Swing-Tanzen am Palais Royal

Swing-Tanzende Menge

Eine andere Art des Tanzes wurde im Park des Palais Royal für Social Media aufgezeichnet. Hier finde ich den Kontrast zwischen der Tänzerin und dem Businessmann im Hintergrund einfach spannend.

Tänzerin mit Businessmann im Hintergrund

Smartphone Gesellschaft

Während der 6 Tage hat sich eine Mini-Serie entwickelt: „Die Smartphone-Gesellschaft". Hier ein paar der Ergebnisse.

Smartphone-Gesellschaft 1

Smartphone-Gesellschaft 2

Hier fand ich es besonders spannend, wie er mitten auf dem Platz sehr nachdenklich in sein Handy schaut.

Nachdenklicher Mann mit Handy

Von der Bank hat man einen schönen Blick auf den Eiffelturm, aber das Smartphone ist erstmal wichtiger. Vielleicht müssen die neuesten Fotos ja auch erstmal in den sozialen Medien geteilt werden.

Smartphone vor Eiffelturm

Eiffelturm

Wenn man in Paris ist, dürfen Bilder vom Eiffelturm natürlich nicht fehlen.

Eiffelturm

Die 50mm waren hier etwas zu wenig. Dennoch mag ich es, wie der Eiffelturm zwischen Baum und Antenne eingerahmt wird.

Eiffelturm zwischen Baum und Antenne

Rote Baretts sieht man in Paris überall. Bis vor einem Jahr hätte ich überhaupt nicht verstanden, warum sich so viele Leute eins kaufen. Aber nachdem ich das Computerspiel Clair Obscur: Expedition 33 gespielt habe – entwickelt von einem französischen Studio, in dem es auch ein „klassisches französisches Outfit" inklusive Baret gibt – kann ich es eher nachvollziehen.

Frau mit rotem Barett

Me and my Camera

Zum Schluss noch ein Selbstporträt – ich und die M6, das Duo dieser Reise.

Selbstporträt mit Leica M6